Der Weihrauchbaum

Weihrauch ist ein getrockneter Wundsaft von bestimmten Bäumen der Gattung Boswellia. Der Weihrauch als Harz aus Bäumen der Boswellia sacra (Boswellia carteri) aus. Die Gewächse dieser Spezies, die zur Gattung der Burseaceen gehören, werden in Südarabien zwei bis drei Meter hoch, während sie in Eritrea zu stattlichen Bäumen werden. Die im Spätherbst gebildeten 1525 cm langen Blätter sind befilzt und stehen weit voneinander entfernt an den Zweigen oder als Büschel an deren Ende. Im Frühjahr werden weiße Blüten hervorgebracht, die sich im Frühsommer zu beerenartigen runden Steinfrüchten entwickeln.

Die Weihrauchgewinnung

In der heißen Jahreszeit, gewöhnlich im Mai, wird an Stamm und Ästen Rinde abgeschabt. Aus diesen Wunden tritt nahezu augenblicklich eine klebrig-milchige Flüssigkeit aus, die an der Luft trocknet. Dieses Harz, das nur in geringer Menge austritt, ist minderer Qualität und wird in einem zweiten Arbeitsgang nach etwa einem Monat abgeschabt und nicht eingesammelt. Während der nächsten zwei Wochen fließt mehr Wundsaft aus den Einschnitten, der aber immer noch nicht genutzt wird. Erst mit dem dritten Abschaben beginnt die eigentliche Ernte. In den heißen Sommermonaten wird der ausgetretene Weihrauch einmal wöchentlich eingesammelt. Dabei beträgt die Ausbeute bei einem Baum mittlerer Größe jedesmal etwa 500 Gramm. Im Oktober, mit Ende der warmen Jahreszeit, nimmt die Fließtätigkeit des Harzes ab und die Ernte wird abgeschlossen. Die Bäume werden meist erst nach ein- oder zweijähriger Ruhepause wieder zur Weihrauchgewinnung herangezogen.

Die Weihrauchdroge

Nach vielfältigen Untersuchungen sind noch heute nicht alle Inhaltsstoffe des Weihrauch-Rauches bekannt. Aus den Bestandteilen des Harzes legt sich jedoch der Verdacht nahe, daß sich bei der Verbrennung das psychoaktive Tetrahydrocannabinol (THC) bilden kann, das als Haschischwirkstoff bekannt ist. Diese THC-Bildung ist sowohl beim Räuchern wie auch beim Kauen des Harzes denkbar. In einem Aufsatz der Leipziger Toxikologen Lohs und Martinetz heißt es. „Es ist nun keinesfalls unsere Absicht, Weihrauch beziehungsweise das Olibanumharz als irgendwie ‚gefährliche‘ Droge zu diskreditieren; aber es ist kulturgeschichtlich wie religionsgeschichtlich wohl doch nicht ohne Interesse, daß die Beliebtheit von Räuchermitteln, wie es das Olibanumharz war und noch ist, nicht nur auf den erwiesenen desinfizierenden, antiseptischen und antiphlogistischen Wirkungen der phenolischen Komponenten und der Terpene beruht, sondern daß auch ein den kultischen Handlungen entgegenkommender milder Rauschmitteleffekt erklärbar ist.“

Was den Duft angeht, hat man unter den bis 1984 bekannten etwa 250 Inhaltsstoffen und Pyrolysaten keine Geruch prägende Verbindung gefunden. Jüngst hat Michael Plank in seinem Artikel "Sinnesrausch und Gotteserlebnis" (Heiliger Dienst 4/2001) die rauschartige Wirkung des Weihrauchs widerlegt.

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Michael Pfeifer:
Der Weihrauch
Geschichte, Bedeutung, Verwendung
224 Seiten, 13,5 × 21 cm, 10 Abbildungen, Klebebindung, fester Einband
EUR 19,95 · ISBN 978-3-7917-1566-7 · Verlag Friedrich Pustet, Regensburg

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