Michael Pfeifer:
Der Weihrauch
Geschichte, Bedeutung, Verwendung
224 Seiten, 13,5 × 21 cm, 10 Abbildungen, Klebebindung, fester Einband
EUR 19,95 · ISBN 978-3-7917-1566-7 · Verlag Friedrich Pustet, Regensburg

Materialien

Weihrauchgebete

Begleitwort zur Imposition des Weihrauchs

Gepriesen bist du, Herr unser Gott, Schöpfer der Welt.
Du schenkst uns das Harz der Bäume und das Öl der Pflanzen,
damit ihr Duft den Menschen erfreue und ihn belebe.
Wie dieser Weihrauch aufsteigt,
so steige auch unser Beten vor dir auf,
denn dir allein gebührt Dank, Ehre und Lobpreis in Ewigkeit.
(Guido Fuchs, in: Liturgie Konkret 1/1990)

Begleitwort zur Beräucherung des ganzen Kirchenraumes

Im Grab warst Du mit dem Leibe,
mit Deiner Seele als Gott in der Unterwelt,
im Paradies mit dem Schächer,
saßest auch auf dem Thron mit Vater und Geist
und erfüllest alles, Unendlicher!
(Aus der byzantinischen Liturgie)

Begleitwort zur Personeninzens

Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht,
eine königliche Priesterschaft,
ein Volk, das Gottes Eigentum geworden ist,
damit ihr den Duft der Erkenntnis Christi verbreitet,
der euch berufen hat.
(Nach 1 Petr 2,9 und 2 Kor 2,14)

Oration zum Weihrauchritus

Gott,
du hast uns berufen,
den Duft der Erkenntnis Christi, deines Sohnes,
an allen Orten zu verbreiten.
Erhöre unser Gebet,
das sich wie Weihrauch zu dir erhebt.
Mache uns zu einem Wohlgeruch für die Menschen,
damit sie dich erkennen
und einstimmen in das Lob deiner Herrlichkeit.
(Aus: Klaus Einspieler, Lobe den Herrn, meine Seele! Handbuch für die Vorbereitung von Morgenlob, Abendlob, Vigil und Komplet, Klagenfurt 2001.)

Oration zum Weihrauchritus

Gott,
wie Weihrauch steige unser Gebet vor dein Angesicht.
Nimm gnädig an unseren Lobpreis
und sende herab dein Erbarmen.
(Aus: Klaus Einspieler, Lobe den Herrn, meine Seele! Handbuch für die Vorbereitung von Morgenlob, Abendlob, Vigil und Komplet, Klagenfurt 2001.)

Oration zum Weihrauchritus

Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt.
Du schenkst uns den Weihrauch,
damit sein Duft unser Herz zu dir emporhebe.
Hilf uns zu werden, was der Weihrauch bezeichnet:
ein Wohlgeruch für die Menschen
und ein Lobpreis deiner göttlichen Herrlichkeit.
(Aus: Klaus Einspieler, Lobe den Herrn, meine Seele! Handbuch für die Vorbereitung von Morgenlob, Abendlob, Vigil und Komplet, Klagenfurt 2001.)

Oration zum Weihrauchritus

Herr, unser Gott,
vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang
steht Dein Name groß da vor den Völkern.
Zu Deiner Ehre haben wir den Weihrauch entzündet,
der zusammen mit unseren Gebeten zu Dir aufsteigt.
Sieh gnädig auf uns,
und sende uns herab Dein Erbarmen.

Oration zum Weihrauchritus

Weihrauch bringen wir Dir dar, Christus unser Gott,
als Duft geistlichen Wohlgeruchs.
Nimm ihn gnädig an auf Deinem himmlischen Altar
und sende uns dafür die Gnade Deines Heiligen Geistes.

Darbringungsgebet über den Weihrauch bei der Vesper

Großer und Allerhöchster Gott!
Du wohnst in unzugänglichem Lichte.
Du hast das All in Weisheit geschaffen und das Licht von der Finsternis geschieden.
Du hast die Sonne zur Herrschaft über den Tag gesetzt, den Mond aber und die Sterne über die Nacht.
Auch als Sünder dürfen wir in dieser Stunde mit unserem Bekenntnis
vor dein Angesicht treten und dir das Abendlob darbringen.
Menschenliebender Gott, laß unser Gebet zu dir aufsteigen wie Weihrauch,
und nimm es an als duftenden Wohlgeruch.
Gewähre uns einen friedlichen Abend und eine gute Nacht.
Darum bitten wir dich, und senden dir Lobpreis empor,
dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
(Nach der byzantinischen Vesper)

Darbringungsgebet über den Weihrauch beim Stundengebet

Christus, unser großer Gott,
einziggeborener Sohn und Wort des Vaters,
dein heiliger Name ist gleich ausgegossenem Salböl,
und an allen Orten wird deinem heiligen Namen Weihrauch dargebracht.
Wir bitten dich, Herr, nimm unsere Bitten an,
laß unser Gebet wie Weihrauch vor dir aufsteigen
und das Erheben unserer Hände sei dir wie ein Abendopfer.
(Nach dem koptischen Stundengebet)

Schema von Gemeindevesper und Predigtgottesdienst

A. Lichtritus:

Hereintragen und Austeilen des Lichtes begleitet von einem Licht- oder Christushymnus; abschließend Licht-Dankgebet.

B. Verkündigungsteil:

Predigtgottesdienst: Schriftlesung, Antwortgesang, Homilie.
Lesegottesdienst: Lesung, Stille, Antwortgesang evtl. mehrfach wiederholt
Wortgottesdienst (der Messe): Lesung, Antwortgesang, Lesung, Halleluja, Evangelium
Psalmodie: Psalm, Stille, Oration evtl. mehrfach wiederholt
Verkürzt: Kapitel, Responsorium (aus der Vesper)
Als Lesungen eignen sich nicht nur Texte der Hl. Schrift, sondern auch Vätertexte oder Texte geistlicher Schriftsteller sowie Heiligenviten. Der Verkündigungsteil kann auch ganz entfallen.

C. Abendpsalm mit Weihrauchritus:

Ps 141 (besonders für die Bußzeiten geeignet) oder Ps 104, eingeleitet mit Versikel Ps 141,2 (besonders für Festzeiten geeignet); abschließend Weihrauch-Darbringungsgebet.

D. Allgemeines Gebet:

(Freie) Fürbitten oder Kyrie-Litanei und Vaterunser.

E. Entlassung


Weitere Informationen zur Gemeindevesper.
Ein Feierheft ist erhältlich.

Weihrauchmeditation

Ein Weihrauchkorn,
klein, bunt, aus vielen Harzen.
Allein verloren,
in der Masse verschwindend
und doch wichtig wie jedes andere Weihrauchkorn.
Es erinnert an einen Menschen,
gestaltet und mit vielen Begabungen.
Allein verloren,
in der Masse verschwindend
und doch einzigartig wie jeder andere.
Das Weihrauchkorn,
auf glühende Kohle gelegt,
verbrennt und löst sich auf,
verströmt seine Würze.
Als Duftwolke und Augenweide
allen Sinnen zum Zeichen:
Gott ist mit uns.
Von Gott den Menschen geschenkt
die Welt zu erwärmen: Feuer der Liebe
Glut, leuchtendes Leben,
pulsierend, flackernd, jäh lodernd,
an der wir uns entzünden,
Feuer und Flamme werden.
In seinem Geist Liebe verströmen,
Duft und Würze des Lebens
füreinander auf ihn zu.
(Nach: N. Frantzen / R. Weber)

Meditierende Zeichenhandlung

In der Mitte der Versammelten steht eine Schale mit Glut. Weihrauchkörner werden aufgelegt. „Wir beenden diesen Tag mit einem Zeichen. Es ist ein vielsagendes Zeichen. Wir lassen uns etwas von ihm sagen.“
Ein weiteres Mal werden Weihrauchkörner aufgelegt und die Versammelten dazu eingeladen, in Worte zu fas-sen, was ihnen das Zeichen gesagt hat.
Ein Schriftwort Ps 141,2 oder Offb 5,8 vertieft die Eindrücke und führt in den Symbolgehalt ein.
„Was ich jetzt sehe und erlebe, geschieht in mir, geschieht vor Gott:
Das Aufsteigen der Gedanken, der Sehnsucht zu Gott hin, der Ehrfurcht, der Anbetung, der Hingabe.
Verwandeltwerden in dieses Aufsteigen, in Lobpreis, Anbetung, das Einswerden mit den anderen neben uns.
Christus ist unsere Glut, in die wir fallen, die uns verwandelt, die uns zum Lobpreis Gottes und zur Einheit mit den anderen bringt und uns hineintreibt in den, den die Welt erwartet.
(Nach: Klemens Tilman, in: Meditation 6 [1960] 18)

Weihrauchmeditation für einen Bußgottesdienst in der Quadragesima

In Südarabien und in Somalia wachsen Bäume, die ein besonderes Harz in sich tragen.
Es tritt nach außen, wenn der Baum verletzt wird.
Das Harz fließt aus den Wunden der Bäume. An der Luft wir es hart.
Es verschließt die Verletzungen und schützt so den Baum.
Das Harz des Boswellin-Baumes ist ein besonderes Harz.
Beim Verbrennen entsteht balsamartiger Duft: Weihrauch.
Weihrauchkörner sind hartgewordene Wunden.
Jedes Korn hat seine eigene Größe, Form und Farbe.
Jedes Korn ist für sich zu einem kleinen, harten Schutzpanzer geworden.
Wir selbst spüren das ähnlich.
Wenn wir enttäuscht oder verletzt werden, wenn wir schuldig werden,
bleibt manchmal eine harte Stelle zurück.
Diese harten Stellen in uns bleiben uns häufig verborgen.
Wir sehen sie nicht gerne an, suchen nicht nach ihnen.
Menschen sagen, daß sie hart geworden sind in ihrem Leben.
Die vielen Verletzungen haben sie hart gemacht.
Sie sind wie die Bäume, die sich mit festem Harz schützen, ihre Wunden abdecken.
Das Harz der Bäume wird gesammelt und verbrannt.
Aus dem Wundharz wird ein wunderbarer Duft.
Wie ist das bei uns: Was wird aus unseren Narben, Wunden und Verhärtungen?
„Durch seine Wunden sind wir geheilt“, verkündet der erste Petrusbrief.
Durch seine Wunden sind wir geheilt!
Wenn wir in uns hineinschauen,
entdecken wir vieles, was uns immer noch schmerzt,
vieles, was bei uns und bei anderen immer wieder neue Wunden verursacht.
Wir entdecken sie immer wieder, die hartgewordenen Stellen in unserem Innern:
Neid, Wut, Bitterkeit, Minderwertigkeitsgefühl, Beleidigtsein, Zerrissenheit, Süchte, Ängste.
Wie oft haben wir mit viel gutem Willen versucht, uns zu ändern, heil zu werden und es ist uns nicht gelungen.
Wir sehen unsere wunden Punkte und können sie selbst nicht heilen.
Es wird zur Frage unseres Glaubens: Gibt es den Arzt, den Retter, den Heiland?
Die Heilige Schrift spricht von keinem anderen. Alle, die darin zu Wort kommen, bezeugen ihn:
der auf den Gelähmten zugeht, der sich nicht mehr bewegen konnte,
der die Hand heilt, die verdorrt war und verhärtet,
der den Weg der Heilung durch den Tod hindurch geht.
Und so begegnet uns Gott,
der das verlorene Schaf sucht,
der den Sohn bei seiner Rückkehr in die Arme schließt,
der uns Menschen nicht verwundet und mit dem Tod allein zurückläßt.
Niemand muß aus eigener Kraft umkehren, um den Rückweg zu finden.
Gott wendet sich unserer Verlorenheit zu, um gerade hier das Wunder seiner Liebe deutlich zu machen,
wo wir selber es vielleicht schon aufgeben wollten, an Wunder zu glauben.
Von Beginn an befinden wir uns in der Liebe Gottes, die früher und mächtiger ist als unser eigenes Herz und seine Regungen.
Umkehr bedeutet dann zuerst, in diesem Glauben aufzubrechen zur Liebe Gottes.
Uns bleibt da nur, unsere eigenen Verwundungen, unser Leben, uns selbst mit unserer Zerrissenheit, mit allem, was uns aufreibt und zerreibt, Gott hinzuhalten.
Das Zeichen des Weihrauchs kann uns zeigen:
Das kleine, harte und unnachgiebige Weihrauchkorn ist nicht alles und nicht das Letzte:
Die glühende Kohle macht es wieder weich,
verwandelt es in wohlriechenden, leicht aufsteigenden Rauch.
Das Weihrauchkorn, ein Zeichen, daß die Verhärtungen, Verletzungen und Verwundungen eines Lebens verwandelt werden,
daß ein Segen in ihnen ist.
Legen wir, was verhärtet ist in uns, wie Weihrauchkörner hinein in die dauerhafte Glut der Liebe Gottes, die sich stärker erwiesen hat als der Tod.
Für uns Christen bedeutet Jesu Leiden, sein Tod und seine Auferstehung diese Verwandlung:
„Durch seine Wunden sind wir geheilt!“
(Nach einer unbekannten Quelle)

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