Weihrauchtext
Weihrauchtext

Weihrauchseminar

Zum ersten Mal veranstalteten die Dettinger Ministranten, am Sonntag, dem 25. Januar 1986, um 19 Uhr, im Ministrantenraum, ein Weihrauchseminar. Unter der Leitung von Michael Pfeifer wurden die Teilnehmer – Ministranten und Gruppenleiter aus Dettingen, außerdem zwei Gäste aus Nachbarpfarreien – zum einen in die Welt des Weihrauches eingeführt und konnten zum anderen ihre fachmännischen Kenntnisse erweitern.

Wie kam es aber zur Idee eines Weihrauchseminares? Unter Pfarrer Anton Wombacher wurde jahrelang ein sehr guter Weihrauch verwendet. Er hatte auch immer die Neubestellung übernommen. Nach seinem Tode ging aber auch einmal „sein“ Weihrauch zu Ende. Jetzt mußte eine Neubestellung erfolgen. Doch niemand wußte, von wem der Weihrauch bezogen worden war. So bestellte man einfach einen anderen. Mit diesem Weihrauch waren aber die Dettinger Ministranten nicht zufrieden. Michael Pfeifer machte daher den Vorschlag, Weihrauchproben von verschiedenen Herstellern zu bestellen. Dadurch hatten sich acht verschiedene, neue Weihrauchproben angesammelt. Also beschlossen die Dettinger Gruppenleiter, diese im ersten, Dettinger Weihrauchseminar zu testen.

So kam es zum Treffen am Samstag, dem 25. Januar, um 19 Uhr im Ministrantenraum. Dabei wurden nun elf verschiedene Sorten Weihrauch getestet. Man forderte die Teilnehmer auf, den Weihrauch nach seinem optischen Wirken, d. h. nach der Rauchentwicklung und außerdem nach der wichtigen Duftentwicklung zu beurteilen.

Michael Pfeifer gab im Laufe des Abendes immer wieder Erläuterungen zum Zweck, zur übertragenen, religiösen, biblischen und liturgischen Bedeutung des Weihrauches. Dies alles und die Geschichte des Weihrauches kann man dem Begleitbrief des Weihrauchseminares entnehmen. Interessant war auch die entwickelte Technik des Probierens, denn niemand hatte hierfür Erfahrungen mitgebracht. Doch folgendes System bewährte sich dann: Eine Kohle wurde mit dem elektrischen Anzünder zum Glühen gebracht. Diese gab man dann in eine Blechdose, dazu wurde der Name des jeweiligen Weihrauches bekannt gegeben und ein Bibelzitat über Weihrauch vorgelesen. Danach konnte sich jeder erst einmal den Stoff in der Mitte ansehen und beschnuppern. Jetzt erst wurde ein bestimmtes Volumen an Körnchen auf die glühende Kohle gegeben, dessen Vorrichtung sich in der Mitte des Raumes befand. Die Teilnehmer mußten zuerst die Rauchentwicklung beurteilen; dann konnte jeder „schnuppern und riechen“. Dabei ergab es sich als vorteilhaft, sich nicht direkt eine„Nase“ Rauch zu nehmen, sondern vielmehr in einem Abstand von mindestens 1,40 m über der Kohle zu schnuppern. Dadurch konnte der Duft besser beurteilt werden, so meinten die Teilnehmer.

Es folgt nun eine Liste der getesteten Weihrauchproben. In Klammern sind die entsprechenden Bibelverse zu finden.
1. bisherige Weihrauchsorte (Ex 30,34 ff)
2. Dreikönigsweihrauch (Ex 13,21)
3. neue Mischung (Lev 2,1)
4. Spezialzischung (Jer 6,20 )
5. arabischer Weihrauch (Jes 60,6)
6. Königsweihrauch (Mt 2,11)
7. Gloria (Offb 8,3)
8. aromatischer Weihrauch (Offb 5,8)
9. balsamischer Weihrauch (Ps 141,2)
10. allerfeinster, orientalischer (Num 17,2)
11. Gardenia, Blütenweihrauch

Interessant waren auch die von jedem Teilnehmer entwickelten Bewertungssysteme. Auf der Seite 3 sind zwei Bewertungslisten zu sehen. [Nicht in der Internet-Präsentation!] Sie sind aber nicht als allgemein geltend – also als absolut – anzusehen, sondern werden nur veröffentlicht, um zwei Beispiele aufzuzeigen. Nach jeder Probe mußte eine kleine Pause gemacht werden, um den Rauch abziehen zu lassen und um die Sinne wieder zu neutralisieren. Nach der 6. Probe wurde eine größere Pause gemacht. Dabei reichte man Käse, Brot und Limonade, Wein, was eine sinnvolle Abwechslung bedeutete. Zwischen den Proben wurden immer wieder Geschichten, Sagen und Legenden erzählt, die sich um den Weihrauch rankten.

Dieser Beitrag von Michael Scherer erschien in:
Chronik der Ministranten an St. Peter und Paul zu Dettingen am Main,
Karlstein am Main 1989, S. 185–187. Ferner in: Im Heiligen Dienst 2/1988.